Berlin. Eine Stadt, die niemals stillsteht. Ihre Modeszene kommt diesen Sommer lauter, bunter und diverser daher als je zuvor. Die Berlin Fashion Week SS26 bot mir die perfekte Gelegenheit, wieder einzutauchen: zwischen Shows, Straßenkulissen und Pop-ups, voller Neugier auf neue Talente und nachhaltige Ansätze.
Ich erinnere mich noch an meinen letzten Rückblick aus dem Jahr 2021: Damals war ich voll in der Szene drin, habe mich aber oft fehl am Platz gefühlt. Vier Jahre später bin ich wieder dabei – wenn auch am Rand – und genieße die Mode aus einer neuen Perspektive.
Berlin Fashion Week SS26 im Überblick
- Die Fashion Week fand vom 30. Juni bis zum 3. Juli 2025 statt.
- Insgesamt umfasste sie 36 Show-Formate – von etablierten Namen bis hin zu mutigen Newcomern.
- Ein zentrales Augenmerk lag auf dem Förderprogramm „Berlin Contemporary“: 19 Designer:innen und Labels zeigten ihre SS26-Kollektionen.
- Das Motto lautete: „The responsible movement of freedom, inclusion and creativity“ – ein Versprechen für Vielfalt, Nachhaltigkeit und kreative Freiheit.
- Mit neuen, experimentellen Formaten wie RAUM.Berlin wurde mit klassischen Show-Strukturen gebrochen und stattdessen auf immersive Erlebnisse und offene Präsentationen gesetzt.
Mein individueller Fahrplan für die BFW
| Datum | Event / Show | Highlight / Notiz |
|---|---|---|
| 30.06.2025 | Clara Colette Miramon Show | Kollektion „Care“, Mode als Haltung und Verantwortung, ruhige Inszenierung auf Straßenkulisse |
| 01.07.2025 | Fashion Council Germany x eBay | Networking & Ausstellung diverser Designer, Fokus auf Nachhaltigkeit |
| 01.07.2025 | Immersive Couture Luise Zücker x Naturana | Keine klassische Show, immersive Präsentation, Mode als Erlebnis |
| 02.07.2025 | Pause wegen Geburtstag | - |
| 03.07.2025 | Lette Show im Tempelhofer Flughafen | Junge Talente, kreative Kollektionen, Mode als Kombination aus Tradition & Innovation |
| 03.07.2025 | BFW Offizielle Afterparty | Networking, Designer:innen & Presse, Abschluss der Fashion Week in entspannter Atmosphäre |
Montag, 30. Juni
Den Anfang der Modewoche machte die von PLATTE.Berlin organisierte Show von Clara Colette Miramon. Ihre Kollektion mit dem Titel „Care” war nicht etwa glamourös im klassischen Sinne, sondern rückte Fragen in den Vordergrund: Mode als Fürsorge, als Statement, als Verantwortung. Die Kulisse war unkonventionell: Die Straße vor der Volksbühne wurde zum Laufsteg umfunktioniert und ein Krankenwagen diente als Garderobe für die Models.
Einen besseren Start hätte ich mir nicht vorstellen können. Schließlich hatte ich in den letzten Jahren nicht mehr vor der Kamera gestanden, da es mir keinen Spaß mehr gemacht hatte. Diesmal war es wieder ein Vergnügen. Ich legte weniger Wert auf Perfektion und mehr auf den Spaßfaktor. So wurde mit einer guten Freundin gelacht und einfach die nächste Seitenstraße als Shooting-Kulisse gewählt.
Dienstag, 1. Juli
Am Dienstag stand eine vom Fashion Council Germany organisierte Veranstaltung mit eBay im Kanzler Eck am Kurfürstendamm auf dem Programm. Hier trafen neue Kollektionen und Nachhaltigkeit aufeinander. Ich wurde von Julian Zigerli eingeladen, der neben einigen weiteren Designer:innen seine neueste Kollektion vorstellte.
Am Abend folgte „Immersive Couture” von Luise Zücker x Naturana. Das von City-Insidern als Sinnbild einer neuen Modegeneration bezeichnete Format verstand Mode als Erlebnis, als Raum zum Fühlen und Eintauchen. Es gab keinen klassischen Laufsteg, sondern eine Fotoshooting-Inszenierung, die Mode, Umgebung und Publikum miteinander verband.
Für mich war das der Moment, in dem mir klar wurde: Berlin verschiebt Grenzen. Und das nicht nur in puncto Stil, sondern auch in Bezug auf die Art, wie Mode präsentiert und erlebt wird. Denn dies war bereits das zweite Mal, dass der herkömmliche Laufsteg ausgetauscht wurde.
Auch wenn ich wieder mehr Spaß daran gefunden habe, vor der Kamera zu stehen, habe ich mir dieses Mal keinen Druck gemacht, alle meine Outfits festzuhalten. Ich dachte mir: „Eins nach dem anderen, wie in Paris“, wie Mama sagen würde. Dementsprechend habe ich hier nur meinen Tageslook festgehalten. Wer sich jedoch das Titelbild aufmerksam anschaut, findet auch Ausschnitte von Outfits, die nicht im Artikel zu sehen sind.
Mittwoch, 2. Juli
Am Mittwoch habe ich bewusst einen Gang runtergeschaltet, denn es stand ein Geburtstag an. Die Fashion Week ist zwar aufregend, aber Freunde haben einfach Vorrang. Es tat gut, einen Moment Abstand zu haben und Energie zu tanken, bevor es am Donnerstag mit Show und Afterparty weiterging.
Donnerstag, 3. Juli
Den krönenden Abschluss meines kleinen Comebacks bildete die Show des Lette-Vereins im Alten Flughafen Tempelhof, einer Location mit Geschichte, Raum und Weite. Ich hatte bereits vor einigen Jahren das Vergnügen, sie im Rahmen der Fashion Week zu besuchen. Diese Show war ein Statement: Mode als Erinnerung und Zukunft zugleich. Dass eine Schule wie der Lette-Verein hier ihre Arbeit präsentiert, symbolisiert für mich das Wesentliche: Nachwuchs, Wandel, Ausbildung und gleichzeitig einen Blick nach vorn. Der ganze Ort vibrierte vor Kreativität.
Abends ging es nach Mitte: Die offizielle BFW SS26 Afterparty stand an. Es gab Musik, Gespräche und Gelächter. Designer:innen, Presse, neue Gesichter, alte Bekannte. Ich habe die Fashion Week komplett in Rosa mit silbernen Cowboy-Boots abgeschlossen. Ich habe mich ein wenig wie ein Flamingo gefühlt.
Warum ich zurück bin: Aus einer Pause in die Szene
Vier Jahre Pause. Vier Jahre, in denen ich die Modewelt aus der Ferne beobachtet habe – manchmal bewundernd, manchmal kritisch. Ich brauchte diesen Abstand, um mein Privatleben in den Vordergrund zu stellen und die vielen flüchtigen Trends der letzten Jahre nicht mehr als Maßstab zu sehen. Zwischen all dem „Schein und Sein” hatte ich mich oft fehl am Platz gefühlt. Doch mit jedem Jahr, das verging, begann sich ein neuer Blickwinkel zu formen. Nachhaltigkeit, Diversität, neue Präsentationsformen. Mode konnte wieder Sinn haben, statt nur auffallen zu wollen.
Im Jahr 2025 wagte ich wieder einen Schritt hinein und spürte dieses kleine Kribbeln, das mir zeigte, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Es war kein dramatisches Comeback, sondern das leise Zurückfinden in eine sich verändernde Szene, während ich Zeit hatte, mich selbst zu sortieren. Und plötzlich fühlte sich alles wieder richtig an: die Gerüche von Couture, das Klackern der High Heels auf dem Asphalt, die Gespräche hinter den Kulissen – all das, was für mich Mode ausmacht.
Drei Eindrücke, die bleiben werden
Mode als Haltung: Kleidung ist heute viel mehr als nur Stoff auf Körpern. Sie erzählt Geschichten, vermittelt Werte und spiegelt die Persönlichkeit ihrer Träger wider. Bei jeder Show spürte ich diese Botschaft: Mode kann politisch, gesellschaftlich und mutig sein. Die Kollektion „Care“ von Clara Colette Miramon hat mir beispielsweise gezeigt, dass Design Verantwortung transportieren kann, ohne dabei laut zu sein.
Vielfalt & junge Talente: Berlin ist internationaler, bunter und offener geworden. Junge Designer:innen aus aller Welt präsentierten Kollektionen, die mehr erzählten als „schöne Kleidung“. Jeder Laufsteg war ein Statement: Nachwuchs, kulturelle Vielfalt, kreative Freiheit. Hier verschmelzen Kulturen, Ideen und Visionen zu einem inspirierenden, überraschenden und erfrischenden Mix.
Mode als Erlebnis & Community: Von Pop-ups über immersive Couture-Shows bis zur Straße als Laufsteg – in Berlin wird Mode erlebbar. Mode will nicht nur gesehen, sondern auch gefühlt, geteilt und erlebt werden. Ich habe Menschen getroffen, die sich begeistert ausgetauscht, gelacht, diskutiert und mit einem offenen Blick auf Neues gestoßen sind. So wurde die Fashion Week zu einem Ort der Begegnung und nicht nur der Präsentation.
Ausblick & Warum ich hoffe, dass jeder das so siehst
Die Berlin Fashion Week SS26 hat mir gezeigt: Eine Modewoche kann mehr sein als Glanz, Glamour und jede Menge Influencer. Sie ist ein Ort, an dem Geschichten entstehen, Perspektiven gewechselt werden und Kreativität in all ihren Facetten gefeiert wird. Ich habe Modenschauen gesehen, hinter die Kulissen geblickt, neue Talente entdeckt und kleine Momente erlebt, die noch lange nachhallen werden – vom Open-Air-Laufsteg bis zur Afterparty, wo sich Musik, Gespräche und Gelächter zu einer eigenen Performance vereinigten.
Ich bin zurück, um diese Geschichten zu sammeln, die Szene zu erleben und Mode nicht nur zu tragen, sondern zu leben. Nächste Saison werde ich wieder dabei sein, gespannt, welche Designer:innen auftauchen, welche Ideen die Branche bewegen und welche überraschenden Momente mich wieder zum Staunen bringen werden.
